Freitag, 28. März 2008

Percy Schmeiser am 8. Mai 2008 in Hitzacker

Percy Schmeiser ist am Donnerstag, den 8. Mai 2008, um 20.00 Uhr im Verdo Kultur- und Tagungszentrum, Dr.-Helmut-Meyer-Weg 1, 29456 Hitzacker (Elbe)
Infos:
www.verdo-hitzacker.de/
Telefon: 05862 / 79 65

Auf ein volles Haus freuen sich die Veranstalter:
Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg,
Martin Schulz: 0175/7978479 und
Carsten Niemann: 0170/3425914.
Bild oben: Percy und Louise Schmeiser. Foto: Timo Vogt /www.randbild.de

Der kanadische Farmer Percy Schmeiser hat einen Sieg gegen den Chemie-Riesen Monsanto errungen. Wie Schmeiser mitteilte, hat das Unternehmen in einer außergerichtlichen Einigung am Mittwoch die Verantwortung für die Kontamination seiner Felder mit gentechnisch veränderten Raps übernommen und den entstandenen Schaden ersetzt. Monsanto bestätigte, dass es eine Einigung gegeben habe.
Schmeiser war weltweit bekannt geworden, als Monsanto ihn im Jahr 1998 beschuldigte, auf seinen Feldern gentechnisch veränderten Raps anzubauen, ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Der Landwirt argumentierte, er habe niemals Monsanto-Raps gesät; vielmehr seien seine Felder durch Pollenflug von den Nachbarfeldern kontaminiert worden. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit entschied das oberste kanadische Gericht 2004, dass Monsantos Patent rechtmäßig ist und der Konzern damit der Eigentümer von Schmeisers Ernte sei. Die Schadenersatzforderungen von Monsanto wies das Gericht damals zurück, weil dieser keine Vorteile aus den Gen-Pflanzen gezogen habe.
Als Schmeiser im Jahr 2005 erneut Monsanto-Rapspflanzen auf seinen Feldern fand, ließ er diese professionell entfernen und schickte dem Konzern die Rechnung über 660 Dollar. Monsanto wollte nach Angaben Schmeisers jedoch nur unter der Bedingung zahlen, dass über den Fall Stillschweigen bewahrt würde und rechtliche Schritte für die Zukunft ausgeschlossen würden. Dies lehte Schmeiser ab und zog stattdessen vor Gericht.
Nur eine Stunde vor der vor der Gerichtsverhandlung am Mittwoch habe Monsanto dann seine Forderungen akzeptiert und Verantwortung für die Kontamination eingeräumt, berichtet Schmeiser. Monsato betont hingegen, die Einigung entspreche im Wesentlichen dem, was das Unternehmen zuvor angeboten habe. Jedes Jahr würden mehrere vergleichbare Fälle auf ähnlich Weise gelöst und die Zahlung sei freiwillig, sagte Monsanto-Sprecherin Trish Jordan der taz. Sie bestätigte allerdings, dass im Fall Schmeiser auf die Vertraulichkeitsvereinbarung verzichtet wurde und Klagen bei erneuten Kontaminationen möglich sind.
Der Landwirt, der für seinen Kampf gegen die Gentechnik im vergangenen Jahr mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, sieht in der Entscheidung hingegen einen Präzedenzfall. "Das Eingeständnis Monsantos, für die Kontamination benachbarter Felder verantwortlich zu sein, öffnet den betroffenen Bauern auf der ganzen Welt nun den Weg für Schadenersatzforderungen an Monsanto."
Für Deutschland sind allerdings keine direkten Auswirkungen zu erwarten, sagte Heike Moldenhauer, Gentechnik-Expertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz: "Hierzulande haften für Verunreinigungen nicht die Hersteller des Saatguts, sondern die Landwirte, von deren Feldern er stammt." Dennoch sei das Urteil "ein wichtiges Signal an Monsanto".
Qelle:
taz.de


Sensationelle Wende im Fall Percy Schmeiser gegen Monsanto: Monsanto räumt Schuld an Gentech-Kontamination in Kanada ein
Eine sensationelle Wende nimmt der Fall des kanadischen Rapsbauern Percy Schmeiser gegen den Biotech-Multi Monsanto. Percy Schmeiser fand zum wiederholten Mal Gentech-Rapspflanzen auf seinem Feld und verlangte von dem Biotech-Konzern Monsanto Schadenersatz. Eine Stunde vor der angesetzten Gerichtsverhandlung hat Monsanto die Verantwortung für Gentech-Kontaminationen auf den Feldern des alternativen Nobelpreisträgers akzeptiert und wird für den entstandenen Schaden gerade stehen.
„Damit gesteht die Firma Monsanto ein, dass sie als Eigentümerin der Patente des Gentech-Saatguts auch für die Kontaminationen in benachbarten Feldern verantwortlich ist. Dies hat Signalwirkung und öffnet den betroffenen Landwirten in der ganzen Welt nun den Weg für Schadensersatzforderungen“, freut sich Jens Karg, Gentechniksprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Jetzt ist der Weg frei, dass die Konzerne, die mit der Gentechnik Gewinne erwirtschaften wollen, auch für deren Risiken einstehen.“
2005 fand Schmeiser zum wiederholten Mal Monsanto Raps-Pflanzen auf seinem Feld. Er benachrichtigte Monsanto und verlangte, dass der Biotech-Konzern die Gentech-Pflanzen entfernt. Monsanto bestätigte schriftlich, dass es sich um Monsantos Gentech-Raps handle. Auf ein früheres Urteil Bezug nehmend, dass der Eigentümer einer Pflanze, also der Patent-Inhaber, auch für die Schäden, die durch Kontamination verursacht wurden, haftbar sei, ließ Schmeiser die Pflanzen entfernen und schickte dem Konzern die Rechnung. Da in einem aussergerichtlichen Einigungsversuch Monsanto nicht bereit war, die Kosten zu übernehmen zog der kanadische Landwirt wieder vor Gericht.
Monsanto hätte, nach Angaben von Schmeiser, dem Begleichen des Schadens nur zugestimmt, wenn Schmeiser eine Verschwiegenheitsverpflichtung über diesen Fall unterschrieben hätte. Diese hätte ihm und seiner Frau das Recht entzogen, über den Fall öffentlich zu sprechen und Monsanto in Zukunft wegen Kontamination der Ernte zu belangen. Schmeiser lehnte diese Bedingung als sittenwidrig ab.
In dem konkreten Fall ging es um eine Rechnung von 600 $ für das Ausreißen der Gentech-Pflanzen auf Percy Schmeisers Feld. Auf Nachfrage des Richters, weshalb ein Konzern wie Monsanto eine Rechnung von 660 $ nicht einfach bezahle, antwortete der Monsanto-Anwalt, bei dieser Sache ginge es um weit mehr als 660 $. „Wir teilen diese Einschätzung. Wenn Monsanto künftig für den Schaden, den ihre Gentech-Produkte erzeugen, die Verantwortung übernehmen muss, ist die Wirtschaftlichkeit dieses Produktionszweiges zumindest gefährdet. Dies kann der Sargnagel für die Gentechnik in der Landwirtschaft sein“, so Karg abschließend.
Quelle:
europaticker aktuell


Bio-Bauer wehrt sich gegen Monsanto
„Eine ökonomische Katastrophe”
Im August 1998 verklagte der Gentechnik-Konzern Monsanto den kanadischen Bauer Percy Schmeiser, gentechnisch verändertes patentiertes Raps-Saatgut widerrechtlich angebaut zu haben: Schmeisers konventionelle und die Bio-Felder seiner Frau waren von genverändertem Saatgut verunreinigt. Zwei Gerichte verurteilten ihn zu einem Schadensersatz in Höhe von 100.000 Euro. Erst das oberste kanadische Bundesgericht stoppte den Konzern im Jahr 2004: Schmeiser wurde von Schadensersatzforderungen an den Konzern freigesprochen. Doch gleichzeitig befand das Gericht, dass Monsanto grundsätzlich im Recht sei und die Patentansprüche des Konzerns auch für kontaminierte Äcker gälten. 2005 hat Percy Schmeiser Gegenklage gegen Monsanto eingereicht, wegen Umweltverschmutzung und Zerstörung von Schmeisers gentechnikfreier Saatgutzüchtung.
Umweltinstitut München e.V. (UIM): Mr. Schmeiser, wie sind Ihre derzeitigen Beziehungen zu Monsanto?
Schmeiser: Ziemlich angespannt. Monsanto versuchte während der letzten Jahre, mich als Person zu diskreditieren, sowohl in den Medien als auch in meiner persönlichen Umgebung. Und das macht Monsanto nach wie vor. Zum anderen versuchen sie jetzt, mich mit Hilfe einer Knebel-Anordnung, der so genannten „Gag-Order“, ruhig zu stellen. Das ist eine Art gerichtlich verhängtes Redeverbot. Dadurch wäre mir das Recht genommen, über Monsanto zu sprechen. Dabei ist das einzige, was ich tue, darüber zu berichten, dass Monsanto mein gesamtes Ackerland kontaminiert hat.
UIM: Dagegen haben Sie jetzt Klage eingereicht.
Schmeiser: Ja, aber leider agiert Monsanto jetzt bösartiger als je zuvor. Der Grund ist meiner Meinung nach, dass der Konzern allein im letzten Quartal 125 Millionen US-Dollar Verlust gemacht hat. Und zwar ausschließlich deshalb, weil es sich, wie ein Journalist geschrieben hat, um eines der meistgehassten Unternehmen der Welt handelt, ein Unternehmen, das zentral an der Eliminierung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, und der Redefreiheit auf der ganzen Welt beteiligt ist. Letztes Jahr wurde Monsanto für die Dauer von zwei Jahren die Geschäftsausübung in Indonesien verboten, weil der Konzern für eine schnelle Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen die Behörden bestochen hatte. Auch in anderen Ländern gab es Korruption im Zusammenhang mit der Vermarktung von Monsantos Gen-Pflanzen.
UIM: Weswegen genau klagen Sie Monsanto an?
Schmeiser: Die erste Klage bezieht sich auf die Haftung für die Verunreinigung meiner Felder mit Genraps in den Jahren 1997 und 1998. Ich fordere Schadensersatz für die Zerstörung meines selbstentwickelten Raps-Saatguts, in dem 50 Jahre Forschung und Entwicklung stecken.Vor zwei Monaten stellte ich zudem eine erneute Kontamination meiner Felder fest. Ich versuchte, Monsanto dazu zu bewegen, die Genrapspflanzen von meinem Feld zu entfernen. Monsanto war dazu nur unter der Bedingung bereit, dass ich einen so genannten „Release“ -Vertrag unterzeichne. Damit hätte ich allerdings für alle Zeiten Grundrechte, wie das auf freie Meinungsäußerung, an Monsanto verkauft. Der Vertrag hätte besagt, dass ich Monsanto nie wieder verklagen darf. Zweitens hätte ich auch alle bereits eingereichten Klagen gegen Monsanto zurückziehen müssen. Drittens hätte ich Zeit meines Lebens mit keinem Menschen mehr über Monsanto sprechen dürfen.
Zusätzlich hätte mir der Vertrag verboten, Raps und verwandte Arten, also zum Beispiel Senf, anzubauen. Denn Monsanto weiß, dass es dadurch erneut zu Kontaminationen meiner Felder durch gentechnisch veränderte Rapspollen kommen würde, der auch in verwandte Arten, wie eben Senf, auskreuzen kann. Kurzum, ich hätte sämtliche demokratische Rechte an der Eingangstür von Monsanto abgegeben. Ich bin Besitzer des Landes, ich zahle Steuern dafür, und alle Rechte dafür sollen an Monsanto gehen?
Wenn ich nach St. Louis, zur Konzernzentrale von Monsanto, fahren würde, um ihre Freilandversuche zu kontaminieren, und danach die Rechte auf diese Pflanzen reklamieren würde, hätte ich nach spätestens 24 Stunden ein Verfahren am Hals, das damit enden würde, dass man mich bis ans Ende meiner Tage einsperren würde.
Das Problem ist nach wie vor, dass die Menschen nicht darüber informiert sind, was passiert. In Kanada kann aufgrund der gentechnischen Verunreinigungen keine biologische Soja und kein biologischer Raps mehr angebaut werden. Das Grundrecht der Wahlfreiheit der Bauern ist zerstört.
UIM: Welche ökonomischen Auswirkungen hat der Anbau von Genpflanzen in Kanada?
Schmeiser: Der Anbau ist eine ökonomische Katastrophe. Viele Länder kaufen keine kanadischen Produkte mehr, die in irgendeinem Zusammenhang mit Raps oder Soja stehen könnten. Das betrifft neben den Bauern natürlich auch die nachgelagerten Industrien, also die Lebensmittelverarbeitung. Darüber hinaus kommt es zu einer Art Dominoeffekt: Auch die Nachfrage nach anderem Getreide aus Kanada ist zurückgegangen. Ganz konkret passiert folgendes: Die Rapserträge der kanadischen Bauern sind zurückgegangen, die Erträge sind von geringerer Qualität, für die Produktion müssen mehr Pestizide eingesetzt werden und das Einkommen der Bauern ist stark zurückgegangen. Durch die flächendeckende Kontamination ist auch die Wahlfreiheit der Bauern verloren.
UIM: Wie sieht es mit der sozialen Struktur in den ländlichen Gebieten aus? Hat sich auch diese durch den Anbau von GVO verändert?
Schmeiser: Auch das soziale Gefüge ist entgleist. Durch die Lizenzverträge mit Monsanto verlieren die Bauern das Grundrecht auf Redefreiheit. Die gesetzliche Lage verstärkt ihre Rechtlosigkeit noch zusätzlich. Sie müssen sehen, dass ein Bauer in Kanada in dem Moment schuldig gesprochen werden kann, wenn Monsantos Genraps auf seinem Feld gefunden wird. In meinem Fall hat das Gericht geurteilt, dass ein Bauer verpflichtet ist zu wissen, ob seine Ernte, sein Saatgut, oder sein Land mit Monsantos Genpflanzen kontaminiert ist. Wenn er nicht gentechnisch verändertes Saatgut aus einem Teil seiner Ernte anbaut, das mit Monsantos Genraps verunreinigt ist, verletzt er damit automatisch Monsantos Patent und kann von dem Konzern verklagt werden. Der einzige Ausweg besteht darin, gleich Monsantos Raps anzubauen. Denn in dem Moment, in dem sich Monsantos Gene auf seinem Feld befinden, kann Monsanto ihn dazu zwingen, seine gesamte Ernte zu vernichten. Wie soll ein Bauer wissen, ob sich Monsantos Raps auf seinem Feld befindet? Die einzige Möglichkeit, die er hat, ist sein Feld mit Roundup zu spritzen: Wenn 98 Prozent seiner Pflanzen sterben, und zwei Prozent überleben, weiß der Bauer, dass zwei von 100 Pflanzen kontaminiert sind. Doch es gibt keinerlei Toleranz. Selbst eine einzige Pflanze würde genügen, um alle Rechte an Monsanto zu verlieren. Das Gericht sprach im Urteil meines Falls davon, dass die „bloße Anwesenheit“ von Monsantos patentierten Genpflanzen auf meinem Acker ausreichen würde, um Monsantos Ansprüche zu rechtfertigen. Der oberste kanadische Gerichtshof urteilte auch, dass es bedeutungslos sei, wie es zu der Verunreinigung der Felder kommt.
UIM: Hat sich auch das Verhältnis der Landwirte untereinander verändert?
Schmeiser: Natürlich. Es ist ein starkes Misstrauen gegeneinander entstanden. Der Grund ist, dass Monsanto Bauern oder andere Leute dafür belohnt, wenn sie z.B. einen Nachbarn anzeigen. Zudem besitzt Monsanto eigene „Polizei“-Kräfte, welche die Menschen auf dem Land aushorchen. Ich erzähle ihnen ein Beispiel aus meinem Dorf: An Tankstellen in Kanada werden auch Pestizide verkauft. Monsantos Leute gingen also zu einer Tankstelle in meinem Dorf und sagten dem Besitzer: „Sprich mit den Bauern, frag sie ob sie Raps gepflanzt haben. Falls sie Raps anbauen, frag sie, wie viele Hektar. Dann gib uns diese Informationen weiter.“ Im Gegenzug bekam der Tankstellenbesitzer gute Konditionen und Rabatte beim Einkauf der Pestizide von Monsanto. Das ist ein Weg, wie Monsanto an Informationen kommt. Seit diese Geschichte bei mir im Dorf herauskam, tanke ich natürlich woanders.
UIM: Können Sie noch von weiteren Fällen berichten?
Schmeiser: Es gibt viele bekannte Fälle. Einem befreundeten Geschäftsmann, der auch Bauer ist, passierte folgendes: Er baute 200 acre (80 ha) von Monsantos Genraps an und schloss mit dem Unternehmen einen so genannten Technologie-Vertrag über diese Fläche ab. Dieser sieht vor, dass ein Bauer pro acre 15 kanadische Dollar Patentgebühren an Monsanto zahlen muss. Bei seiner Versicherung waren die entsprechenden Flächen jedoch mit 208 acre veranschlagt. Monsantos Spitzel müssen auf irgendeine Weise Zugang zu diesen Unterlagen bekommen haben. Es fehlten also acht acre, und laut dem Technologie-Vertrag hatte er damit eine Lizenzgebühr von 15 Dollar pro acre unterschlagen, was einem „Gesamtschaden“ von 120 Dollar entspricht. Monsanto wollte jedoch eine Strafgebühr von 200 Dollar pro acre kassieren, die mein Bekannter natürlich nicht zahlen konnte. Monsanto verlangte nun für einen Verzicht auf ein Strafverfahren, dass mein Bekannter ebenfalls Spitzeldienste übernehmen sollte und Nachbarn melden, die von Kontaminationen wussten, diese aber aus Angst vor den finanziellen Forderungen Monsantos nicht melden wollten. Er ist darauf eingegangen, hat aber nie jemanden gemeldet.
Ich erzähle Ihnen noch von einem dritten Fall: Wenn Sie in Kanada Getreide verkaufen, müssen Sie Aufzeichnungen darüber in einem Buch dokumentieren. Dieses Buch ist Privatbesitz des Bauern. Da diese Aufzeichnungen von großer Wichtigkeit sind, hinterlegen es viele Bauern im Safe des örtlichen Getreidehändlers. Monsanto lädt nun diese Getreidehändler zu Wochendausflügen oder zum Essen ein und kommt so schließ-lich in den Besitz der Aufzeichnungen. Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, was diese Vorfälle mit dem sozialen Netz auf dem Land anrichten.
UIM: Der Presse kann man entnehmen, dass sich kanadische Bauern, vor allem Biobauern inzwischen wehren. Sie haben Genkonzerne wie Monsanto und Bayer verklagt. Wie beurteilen Sie die Aussichten, dass die Konzerne schuldig gesprochen werden?
Schmeiser: Die Vereinigung der Biobauern aus Saskatchewan (das Saskatchewan Organic Directorate) hat Monsanto und Bayer wegen der Kontaminationen auf Schadensersatz verklagt. Die Klage bezieht sich auf die Haftung für entstandene ökonomische Schäden, vor allem den Verlust von Exportmöglichkeiten, da kein biologischer Raps mehr angebaut werden kann. In erster Instanz haben die Bauern den Prozess verloren. Im Moment droht er bereits an der Frage zu scheitern, ob die Bio-Bauern als Vereinigung überhaupt das Recht haben, diese Klage einzureichen. Monsanto versucht den Prozess zu verschleppen. Schon jetzt hat er die Bio-Bauern 300.000 Dollar gekostet. Allein für die Frage nach der Zulässigkeit der Klage sind drei Jahre ins Land gegangen.
UIM: Welche Rolle spielt eigentlich die kanadische Regierung?
Schmeiser: Die kanadische Regierung unterstützt die Gentechnikindustrie bedingungslos. Monsanto arbeitet mit den zuständigen Behörden, z.B. der Lebensmittel- oder der Umweltbehörde, Hand in Hand. Ein Beispiel vom April 2004 mag Ihnen zeigen, wie eng die Verbindung ist. Monsanto stand damals kurz vor der Zulassung von gentechnisch verändertem Weizen. Dann kam heraus, dass die Regierung mit Monsanto ein Abkommen geschlossen hatte: In dem Vertrag stand, dass die Regierung für jedes Kilo Genweizen einen bestimmten Prozentsatz des Gewinns erhalten sollte.
Derzeit stehen wir in Kanada auch vor einer Überarbeitung der Saatgut-Gesetzgebung, dem Seed Sector Review. Die Vorschläge der Gentechnikindustrie für dieses Gesetz wurden bislang nur noch nicht umgesetzt, weil Wahlen bevorstanden. Mit diesem Gesetz würde die Saatgutindustrie die totale Kontrolle über die Landwirtschaft übernehmen. Denn der zentrale Punkt des Gesetzes ist, dass es den Nachbau von gekauftem Saatgut schlichtweg verbietet. Dieser Passus bezieht sich nicht nur auf Getreide, sondern auch auf Gartenblumen oder Bäume. Damit würden nicht nur Bauern, sondern auch Gärtner und Forstwirte total entrechtet. Die Industrie versucht, dieses Gesetz ohne öffentliches Aufsehen durchzubekommen. Die Situation ist sehr ernst.
Und dennoch: Seit einigen Jahren stockt die Zulassung neuer Gentechnikpflanzen. Bis heute gibt es nur sehr wenige kommerzialisierte Arten, vor allem Raps, Mais, Soja und Baumwolle. Was die Einführung weiterer GVO verhindert hat, war nicht die Umweltproblematik und nicht die gesundheitlichen Effekte, sondern der grandiose ökonomische Misserfolg. Die Bauern merken langsam, dass sie betrogen wurden.
UIM: Warum wächst die Anbaufläche in Kanada dann nach wie vor? Warum bauen die Bauern überhaupt noch gentechnisch verändertes Saatgut an?
Schmeiser: Viele haben Angst. Sie wissen, dass sie von Monsanto jederzeit verklagt werden können, denn ihre Felder sind genauso kontaminiert wie meine. Der einzige Ausweg sich vor Klagen zu schützen ist gleich Monsantos Genpflanzen anzubauen.

Das Interview führte Andreas Bauer, Mitarbeiter des Umweltinstitut München e.V.; es erschien in dessen Mitgliederzeitschrift „Umweltnachrichten“, Ausgabe 102 / Dez. 2005. raum&zeit dankt dem Umweltinstitut für die freundliche Abdruckgenehmigung.
Quelle:
raum & zeit


PDF-Dateien zum Ausdrucken
"Was damit geschaffen wird, ist eine Kultur der Angst" Vortrag von Percy Schmeiser in Zürich am 28. Oktober 2005
[Dokumentation (PDF) hier zum Download] .
Quelle: http://umweltinstitut.org/


Dokumentation: "Wie Monsanto die Felder kanadischer Bauern kontaminiert ... und dann abkassieren will" Ein Brief von Monsanto Kanada an den Landwirt Garry Olson dokumentiert die zweifelhaften Methoden des Gentechnik-Konzerns. Bauern, deren Felder mit dem Gen-Raps von Monsanto kontaminiert wurden, will der Konzern zur Zahlung so genannter „Lizenzgebühren“ oder von „Schadensersatz“ zwingen. Als Begründung muss die angeblich widerrechtliche Nutzung des Saatguts von Monsanto herhalten. Der Konzern schreckt nicht einmal davor zurück, Bauern mit der Vernichtung ihrer finanziellen Existenz zu drohen. [Dokumentation (PDF) hier zum Download]
Quelle: http://umweltinstitut.org/

Landwirt zum Genmais-Anbau in Laase /28.03.08

Das hatte es in Langendorf lange nicht gegeben: Mehr als 30 Interessierte waren am Mittwochabend im Gasthaus »Elbe» erschienen, um der Sitzung des Gemeinderates - oder zumindest einem Teil der Sitzung - beizuwohnen. In der Bürgerfragestunde, die Bürgermeister Harald Hintzmann vor der Sitzung eröffnete, wurde schnell klar, worum es den Zuhörern ging: Um den geplanten Anbau von gentechnisch verändertem Mais.

Denn die Fläche, auf der das passieren soll, liegt in der Gemeinde Langendorf, und der Landwirt, der den Mais anbauen will, ist Mitglied des Rates - Günther Riebau (FWL). Auf Fragen nach eventuellen Schritten des Rates gegen den geplanten Genmais-Anbau und nach der Verträglichkeit eines solchen Anbaus mit den Regeln der Biosphärenreservatsverwaltung zur Landwirtschaft im C-Gebiet des Reservates, entgegnete der Bürgermeister, dass die Gemeinde »gar keine Handhabe» habe, rechtliche Schritte einzuleiten. »Das Saatgut ist zugelassen, wir haben keinen Einfluss darauf.» Außerdem sei man der Langendorfer Gemeinderat und »kein Anbauberater für landwirtschaftliche Flächen».

Nicht nur in der Bürgerfragestunde ging es am Mittwoch in Langendorf um den Genmais-Anbau, sonder auch in der Ratssitzung. Denn auf Antrag der GLW-Fraktion hatte sich der Rat mit einer Resolution gegen eben diesen Anbau zu befassen. Die Resolution, mit der sich der Rat gegen den Anbau und auf die Seite der Genmais-Gegner stellt, wurde mit Mehrheit verabschiedet. »Günther, ich schätze Dich als Mensch und als Ratskollegen. Aber mit dem, was Du jetzt vor hast, bist Du auf dem Holzweg», stellte Willhelm Butnopp (GLW) noch der Verlesung der Resolution heraus. Das alles blieb nicht ganz ohne Wirkung, denn Riebau erklärte, dass er eventuell in diesem Jahr gar keinen Genmais anbauen werde. »Aber wenn man mir droht, die Pflanzen rauszureißen, dann bau ich an.»
Quelle: EJZ

Soliaktion: 1 Euro gegen die AgroGentechnik /28.03.08

Im Juli 2006 war ich an einer öffentlich angekündigten Feldbefreiung in Badingen (Landkreis Oberhavel) beteiligt. Für die Zerstörung von Genmais des Konzerns Monsanto bin ich nach drei Instanzen (Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht) wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen a 15 Euro = 225 Euro verurteilt worden. Hinzu kommen 620 Euro Gerichtskosten und meine Anwaltskosten.
Mit der Aktion "1 Euro gegen die AgroGentechnik" habt ihr zum einen die Möglichkeit mich bei der Begleichung der Strafe und der Kosten solidarisch zu unterstützen. Zum anderen könnt ihr mit der Überweisung von einem Euro auf das Konto der Landesjustizkasse ein Zeichen setzen. Ihr könnt damit zeigen, dass auch ihr gegen die AgroGentechnik seit und dass ihr es legitim findet mit dem Mittel der Feldbefreiung gegen die Gentechnikkonzerne Widerstand zu leisten.
Um euch an der Aktion zu beteiligen, könnt ihr einfach einen Euro an das folgende Konto überweisen:

Landesjustizkasse
Deutsche Bundesbank
BLZ 10 000 000
Konto 16 001 510
Verwendungszweck (wichtig ! ! ! ! !)
RgNr: 857400653621
AZ:329 Js 29809/06 V1

Wenn ihr mehr als einen Euro für die von Repression betroffenen FeldbefreierInnen übrig habt, dann könnt ihr zusätzlich auch Geld auf das Konto der Rechtshilfe von "Gendreck-Weg" überweisen.
* Rechtshilfe Gendreck-weg
* Kontonummer 401 687 1300
* GLS Bank Bochum
* BLZ 430 609 67

Und wer selber mal an einer öffentlich angekündigten Feldbefreiung teilnehmen möchte, dem sei die nächste Aktion von "Gendreck-Weg" vom 25.-29. Juni bei Würzburg ans Herz gelegt (http://www.gendreck-weg.de).
Liebe Grüße
Naschi

Montag, 24. März 2008

Radio ZUSA: Interview mit Georg Janßen AbL /20.03.08

Dieser Link leitet Sie weiter auf die Internetseite von "freie-radios.net - Audioportal Freier Radios". Auf dieser Seite verfolgen Sie ein Interview mit Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) über den Anbau von Genpflanzen, das Geschäft mit der Gentechnik und den Versuchen und Perpektiven, sich dagegen zu wehren. Im Besonderen geht es in diesem Gespräch um den geplanten Anbau der gentechnischveränderten Pflanze "MON 810" im Wendland. Dieses Gespräch wurde am 20.03.08 auf Radio ZUSA geführt und ist 16 Minuten lang.
zum Radiointerview

video

Donnerstag, 13. März 2008

Biosphärenreservatsverwaltung überprüft den geplanten Genmaisanbau im Elbevorland /13.03.08

Die Biosphärenreservatsverwaltung in Hitzacker lässt derzeit im Niedersächsischen Umweltministerium prüfen, ob der geplante Anbau von gentechnisch manipuliertem Mais im Elbvorland mit den dort geltenden Schutzzielen vereinbar ist. Das teilte Dr. Johannes Prüter, der Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung mit. Das Biosphärenreservatsgesetz beinhalte jedenfalls »keine rechtliche Handhabe», um gegen diese Pläne eines Landwirts aus Grippel vorgehen zu können und den Anbau zu verhindern.

Der Landwirt will die umstrittene manipulierte Maissorte auf zwei Flächen im Gebietsteil C, der höchsten Schutzkategorie, anbauen. Zudem handele es sich um Areale, die für die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union »Natura 2000» gemeldet worden sind, informierte Dr. Prüter.

Die Biosphärenreservatsverwaltung habe erst aus der Presse von den Plänen erfahren, im Elbvorland gentechnisch veränderten Mais anzubauen. Dr. Prüter räumte ein, dass es allerdings nicht zwingend erforderlich sei, die örtlichen Naturschutzbehörden über den geplanten Anbau zu informieren. Er habe daraufhin mit dem betreffenden Landwirt gesprochen. Der habe zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, aber mitgeteilt, dass er seine Anbaupläne nicht aufgeben wolle.

Auch wenn Dr. Johannes Prüter auf die Unbedenklichkeitserklärung des Bundessortenamtes verweist, ist seine Skepsis genmanipulierten Pflanzensorten gegenüber herauszuhören. Die langfristigen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt seien derzeit nicht abzusehen. Es müsse insbesondere geklärt werden, welche Gefahren der gentechnisch veränderte Mais für die Insektenfauna berge. Es gebe ernst zu nehmende Hinweise, dass auch Arten betroffen sein könnten, die durch die Veränderung der Maisgene nicht geschädigt werden sollen.
Quelle:
EJZ

Mittwoch, 12. März 2008

Bäuerliche Notgemeinschaft: Risiken des Genanbaus nicht abschätzbar /12.03.08

Auch die Bäuerliche Notgemeinschaft protestiert gegen den Anbau von genmanipulierten Pflanzen. »Die Risiken sind nicht abschätzbar», urteilen die Landwirte Martin Schulz und Carsten Niemann als Sprecher der Notgemeinschaft.
Sie befürchten, dass »mit Sicherheit alle die landwirtschaftlichen Betriebe geschädigt» werden, die dem Verbraucherwunsch nachkommen und ihre Produkte als gentechnikfrei vermarkten wollen und müssen. Und das sei die große Mehrheit der Landwirte. Die Notgemeinschaft lehnt den Anbau von genmanipuliertem Mais auch bei sogenannten Wertprüfungen der Maissorten auf Versuchsfeldern ab.

Im Kreisgebiet plant noch ein Bauer die gentechnisch manipulierte Sorte MON810 auf zwei Flächen im Elbvorland bei Laase zu drillen. Ein anderer Landwirt hat ähnliche Pläne mittlerweile verworfen. Die vom amerikanischen Agrar-Konzern Monsanto hergestellte Sorte ist umstritten. Sie produziert während der gesamten Wachstumsperiode in jeder Zelle ein Gift gegen Fressfeinde wie den Maiszünsler und andere Falter- und Mottenarten. Die Notgemeinschaft sieht im Freiland-Anbau mehr Gefahren als Vorteile. Gefährdet ist ihrer Ansicht nach die heimische Umwelt, denn wenn genmanipulierte Pflanzen und Tiere in die Natur gelangen, gebe es kein Zurück mehr. Niemand könne garantieren, dass es nicht zu einer Auskreuzung kommt, denn Wind, Bienen und andere Insekten tragen die Pollen weiter als die gesetzlich festgelegten Mindestabstände. Durch die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen werden laut Studien unabhängiger Wissenschaftler in der freien und belebten Natur chemisch-biologische Prozesse angestoßen, deren Folgen derzeit völlig unabsehbar seien. »Ein gigantisches Freilandexperiment, das frankensteinsche Folgen haben kann», meint die Notgemeinschaft.

Deren Mitglieder erwarten zudem massive Vermarktungsprobleme, weil viele Verbraucher sich sorgten, dass Lebensmittel, die mit Rohstoffen aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt sind, gesundheitsschädlich sein könnten. Wenn die hiesige Region nicht mehr das »Gentechnikfrei» für ihre Nahrungsmittel zusichern kann, wäre dies ein entscheidender Vermarktungsnachteil - nicht nur für biologisch wirtschaftende, sondern genauso für die konventionellen Betriebe.

Außerdem wären die Bauern abhängig vom Hersteller des Saatgutes, prognostiziert die Notgemeinschaft. Dem niedrigeren Pestizideinsatz zu Beginn stünden zunehmende Resistenzen der Schädlinge und damit vermehrter Pestizideinsatz weit über das Ausgangsniveau hinaus gegenüber. Zudem sprächen Haftungsprobleme bei Auskreuzungen gegen die Nutzung. Der Mindestabstand beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen beträgt 150 Meter zu konventionellen Flächen und 300 Meter zu ökologisch bewirtschafteten Nachbarflächen. Bei Auskreuzung der manipulierten Sorten auf umliegende Ackerflächen könne laut Gesetz eine verschuldensunabhängige und gesamtschuldnerische Haftung angefordert werden. Garantiert wird eine solche Haftung aber erst ab einem Anteil von 0,9 Prozent Genmais in der Ernte greifen. Zahlen müsse der Anbauer. Der Saatguthersteller entziehe sich der Verantwortung und hinterlasse in den Dörfern einen irreparablen Flurschaden.
Quelle: EJZ

Film: Monsanto, mit Gift und Genen, arte 2007, 110min

Frankreich, 2007, 110 min, ARTE F
Regie: Marie-Monique Robin

Monsanto, mit Gift und Genen
Der Dokumentarfilm erkundet das Reich des US-amerikanischen Konzerns "Monsanto Chemical Works", dem weltweiten Marktführer für Biotechnologie. Dem Engagement auf diesem Gebiet verdankt "Monsanto" auch, dass es zum umstrittensten Unternehmen des modernen Industriezeitalters wurde, stellte es doch das im Vietnamkrieg zu trauriger Berühmtheit gelangte Herbizid "Agent Orange" her. Heute sind 90 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Organismen "Monsanto"-Patente. Diesen Umstand halten viele für bedenklich.

Das 1901 in St. Louis im US-Staat Missouri gegründete Unternehmen "Monsanto Chemical Works" war im 20. Jahrhundert weltweit eines der größten Chemieunternehmen, bevor es zum mächtigen Agrochemiekonzern wurde. In der Vergangenheit machte "Monsanto" mehrfach von sich reden. Das Unternehmen produzierte das im Vietnamkrieg zu trauriger Berühmtheit gelangte Herbizid Agent Orange, das heute als chemischer Kampfstoff klassifiziert ist. Zur Produktpalette gehört ferner der umstrittene Süßstoff Aspartam, das Wachstumshormon rBST zur Steigerung der Milchleistung von Rindern sowie die in der Industrie häufig verwendete Substanz PCB, die in Deutschland unter dem Namen Clophen bekannt ist und seit Beginn der 80er Jahre als hochgiftig eingestuft wird.

Heute ist "Monsanto" weltweiter Marktführer auf dem Gebiet der Biotechnologie. 90 Prozent der heute derzeit angebauten gentechnisch veränderten Organismen, unter anderem Soja, Raps, Mais und Baumwolle, sind "Monsanto"-Patente. Und über kurz oder lang scheint das Unternehmen die gesamte Nahrungsmittelkette zu kontrollieren. Überall auf der Welt gibt es mittlerweile transgene Organismen von "Monsanto". Aber noch nie hat ein agro-industrielles Patent so sehr die Gemüter erhitzt. Der Dokumentarfilm fragt nach den Gründen für die Aufregung und erklärt, worum es bei gentechnisch veränderten Organismen überhaupt geht. Am Ende steht die Frage, ob "Monsanto"-Produkte Fluch oder Segen für die Menschheit sind.

Der Film kann als DVD bei arte.tv erworben werden.

Interview mit der Regisseurin Marie-Monique Robin als Video und Text

Dieser Dokumentarfilm ist bei Google online gestellt worden.

Dienstag, 11. März 2008

Der Kreistag stimmte für eine gentechnikfreie Zone /10.03.08

Der Kreistag Lüchow-Dannenberg möchte, dass der Kreis zu einer gentechnik­freien Region wird. Eine solche Erklärung könnten aber nur die Landwirte abgeben. Ihm bleibe nicht mehr als der Appell an die moralische Verantwortung jedes einzelnen Landwirts, stellte der Kreistag in einer mit großer Mehrheit in Dünsche angenom­menen Resolution fest. Es gab drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Allerdings hatte der größte Teil der CDU-Frak­tion zu diesem Zeitpunkt die Sit­zung bereits verlassen.
Für die Antragsteller Bündnis 90/Die Grünen begründeten Martina Lammers und Elke Mundhenk den Antrag. Klaus Wohler (CDU) stellte eine Zu­stimmung unter den Vorbehalt „zurzeit". Außerdem wollte er gentechnische Forschung auch in Zukunft befürworten.
In der auch mit der Stimme von Landrat Jürgen Schulz (par­teilos) angenommenen Erklä­rung unterstützt der Kreistag das Bestreben „einer großen Mehr­heit der Lüchow-Dannenberger Landwirte", die landwirtschaft­liche Fläche auch in Zukunft ohne gentechnisch verändertes Saatgut (GVO) zu bewirtschaften. Lüchow-Dannenberg sei als Modellregion für erneuerbare Energien und mit einer großen Zahl von Biobauern eine Vor­zeigeregion. Sollte ein Landwirt, der sich von besonderen Ange­boten zum Anbau von Gentec-Saatgut verlocken ließ, die Flä­chen mit dieser veränderten Erb­substanz kontaminieren, so riskiere er den guten Ruf und die Absatzmöglichkeiten einer gan­zen Region.
Der Landkreis soll nach dem Beschluss des Kreistages eigene Flächen nur noch an solche Landwirte verpachten, die sich schriftlich zum Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut verpflichten.

Freitag, 7. März 2008

Milchkooperative boykottiert Produzenten von genmanipulierten Pflanzensorten /07.03.08

Mitglieder der Milchkooperative Wendland, ein Zusammenschluss von biologisch arbeitenden Milchbauern, und zwei weitere Landwirte wollen Firmen boykottieren, die sich an der Entwicklung und der Verbreitung von gentechnisch manipulierten Pflanzensorten, so genannten GVO-Sorten, beteiligen. GVO ist die Abkürzung für gentechnisch veränderten Organismen.

Die Mitglieder der Milchkooperative haben deshalb eine Saatgutbestellung für 200 ha Mais bei einem anderen Saatguthersteller storniert. Die Milchkoop hat recherchiert, dass sich auch dieser Maissaatguthersteller in die Genmaisprodukion von MON 810 eingereiht hat. Diese Sorte soll auch auf zwei Flächen im Elbvorland angebaut werden.
Entgegen den ursprünglichen Beteuerungen seines Handelsvertreters könne das Unternehmen durch seine Aktivitäten im Bereich der Genmais-Saatgutproduktion nicht mehr garantieren, dass sein Saatgutes nicht mit gentechnisch veränderten Organismen verunreinigt ist, erklärte Hans-Jürgen Büsch, ein Sprecher der Milchkoop.

Ähnlich sei die Situation bei einigen anderen Firmen, schildern die Milchbauern. Sie glauben, dass die schleichende Verbreitung von GVO-Verunreinigungen durch diese Firmen System habe, um die Bauern von ihnen abhängig zu machen. Um so wichtiger erscheint es den Landwirten, mit Firmen zusammen zu arbeiten, die sich ausdrücklich die Bewahrung der Saatgutreinheit verschrieben haben. Das gelte nicht nur für Bio-Bauern.

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